Die Welt der Kulinarik kennt ca. 10.000 Aromen. Und nicht nur examinierte Flavoristen, auch immer mehr Köche haben Lust aufs kreuz-und-quer-Kombinieren und Entdecken von neuartigen Geschmäckern. Ein Trend, der Foodpairing genannt wird und der die pflanzlich basierte Küche mit schier unendlichen Möglichkeiten, verrückten Ideen und revolutionären Aromen noch viel, viel vielfältiger macht. Denn wer Obst, Gemüse und kleinere Mengen Fleisch geschickt und gewagt kombiniert, schafft einzigartige Gaumenerlebnisse, die sogar eingefleischten Karnivoren das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen.
Was ist Foodpairing?
Foodpairing ist längst mehr als ein kurzlebiger Trend aus der experimentellen Sterneküche – es hat sich zu einem festen Bestandteil moderner Gastronomiekonzepte entwickelt. Während der Ansatz früher vor allem in der Molekularküche eingesetzt wurde, findet er heute in ganz unterschiedlichen Küchenstilen Anwendung – von Fine Dining über Casual Dining bis hin zu pflanzenbasierter Küche. Im Mittelpunkt steht dabei die gezielte Kombination von Zutaten, die auf Basis ihrer aromatischen Strukturen harmonieren oder bewusst spannende Kontraste erzeugen.
Gerade im Kontext aktueller Foodtrends wie Nachhaltigkeit, pflanzenbasierter Ernährung und globaler Geschmackseinflüsse gewinnt Foodpairing weiter an Bedeutung. Köchinnen und Köche nutzen wissenschaftliche Erkenntnisse, um neue kulinarische Erlebnisse zu schaffen, gleichzeitig aber auch regionale und saisonale Produkte kreativ in Szene zu setzen.
Statt reinem Ausprobieren geht es heute um ein bewusstes Spiel mit Aromen, Texturen und Kontrasten. So entstehen innovative Gerichte, die überraschen, Geschichten erzählen und das Essen zu einem multisensorischen Erlebnis machen – ein Anspruch, der in der modernen Gastronomie immer wichtiger wird.
Von der Aromatheorie zur Geschmacksexplosion
Ein Stück Apfel, ein Brokkoli-Röschen, ein Steak oder ein Tröpfchen Portwein – in jeder Zutat stecken Hunderte Aromen. Die Zunge kann lediglich fünf verschiedene Geschmacksrichtungen unterscheiden: süß, salzig, bitter, sauer und umami. Unsere Nase hingegen verfügt über eine Vielzahl von Riechzellen, die kleinste Aromamoleküle wahrnehmen und unser Geschmacksempfinden maßgeblich prägen. Genau diese Moleküle werden beim Foodpairing aufgespürt, definiert und kombiniert.
Zutaten werden dabei auf ihre Geschmacksstoffe untersucht und individuelle Aromaprofile erstellt. Je verwandter die sogenannten Schlüsselaromen der verschiedenen Zutaten miteinander sind, desto besser passen sie zusammen. Aufschluss über die Hauptaromakomponenten verschiedenster Obst-, Gemüse und Fleischsorten findest du mithilfe von „Foodpairing Trees“. Wie Stammbäume zeigen sie die Verästelungen der Aromen einzelner Zutaten und geben Aufschluss darüber, welche Zutat zu welcher passt. So ist eine Art sensorische Systematik entstanden, die Köche ganz einfach selbst anwenden können.
Sieht kompliziert aus, ist aber bloß der Foodpairing Tree einer Tomate – erstellt vom Fachmann Bernard Lahousse. Ganz nah an der Mitte: Himbeere. Denn sie teilt sich mit der Tomate Noten der Zitrusfrucht Orange und florale Aromen. Zum Beispiel für eine superfrische und scharfe Himbeer-Tomaten Gazpacho.
Von der Sterne-Küche in die moderne Gastro
Schokoladenmousse mit Thymian und Blüten, halbroher Lachs, eingewickelt in Spaghetti aus Salatgurke mit warmer Champagnersahne – auf Basis der Erkenntnisse und Rezepte des Foodpairing kombinieren Spitzenköche Gewürze aus aller Welt mit unterschiedlichsten Zutaten, Konsistenz-Zuständen und Garmethoden. Und Aromawissenschaft sei Dank: mithilfe der Foodpairing Trees ist es für jeden Koch ganz einfach, Zutaten neu zu kombinieren und die eigene Speisekarte noch spannender und vielfältiger zu machen. Denn auch scheinbar völlig gegensätzliche Aromen können in Kombination umwerfend leckere Kontraste erzeugen. Was einst in Molekularküchen begann, ist angesichts des Trends pflanzlich basierter Ernährung ein willkommenes Spielfeld für alle Küchenchefs geworden, die ihre Gäste mit gesunden und zeitgemäßen Menüs verwöhnen möchten. Bring mit Foodpairing mehr Abwechslung auf deine Teller und kreiere Gemüse-Kombinationen, die es so köstlich abgestimmt nirgendwo anders gibt.
Gemüse ganz anders:
erstaunliche Foodpairing Kombis.
Foodpairing #1: Feige und Avocado
Kombiniere die fleischige Textur von Avocado mit der fruchtig-bitteren Süße der Feige. Unser Rezepttipp: Sous-Vide Feigen, blaue Kartoffelchips und Salat mariniert mit einer Himbeer-Vinaigrette.
Foodpairing #2: Champignons und Vanille
Pilze haben von Natur aus viel Umami. Wenn du Champignons anbrätst, wird dieser Anteil noch verstärkt. Vanille ist eine ungewöhnliche aber perfekte Kombination, denn sie ergänzt die reichen Geschmacksnoten des Pilzes und addiert ein vollmundiges, leicht süßes Gefühl.
Tipp: Kombiniere Pilze und Vanille in einem Risotto oder einer cremigen Sauce.
Karamelisiere Champignons bei hoher Hitze, bis sie tiefbraun sind — erst dann die Vanille einarbeiten. Eine Vanille-Champignon-Velouté oder ein Risotto mit Vanillebutter eignen sich hervorragend. Für intensiveren Umami-Effekt: Knorr Professional Gemüse Kraftbouillon als Basis verwenden.
Foodpairing #3: Rote Bete und Walnüsse
Die Süße und das Erdige der roten Bete trifft auf Bitternoten der Walnuss und sorgt für ein interessantes Geschmackserlebnis.
Foodpairing #4: Aubergine und Minze
Aubergine erinnert von Textur und Geschmack an Fleisch. Mit Minze verleihst du diesem nährstoffreichen Gemüse einen Hauch aromatischer Frische.
Tipp: Dieses ungleiche Paar eignet sich perfekt für mediterrane Gerichte mit Tomaten, schmeckt aber auch phänomenal in Kombination mit Tamarinde.
Aubergine im Ganzen direkt auf der Flamme oder im sehr heißen Ofen rösten (Rauchaubergine / Baba Ganoush-Basis), dann mit frischer Minze, Tahini und einem Hauch Tamarinde kombinieren — ein Signature-Dish, das sowohl auf der À-la-carte- als auch auf der Tapas-Karte funktioniert.
Foodpairing #5: Gerösteter Blumenkohl mit Chili
Wenn du Blumenkohl röstest, werden vollmundige, erdige Röstaromen freigesetzt. Generell betonst du mit würzigen Zutaten wie Chili die natürliche Süße des Blumenkohls.
Tipp: Ersetzte Reis oder Nudeln durch geröstetes und gemahlenes Blumenkohl-Chili.
Foodpairing #6: Ingwer und Rotkohl
Würziger Ingwer passt hervorragend zu kräftigem Rotkohl. Gemeinsam angebraten, ergibt die asiatisch anmutende Kombination einen vollmundigen und bittersüßen Geschmack.
Tipp: Rotkohl in Ingwer-Sojasauce-Butter anschwitzen statt kochen — so bleiben Farbe und Textur erhalten, während der Ingwer die Bitteraromen des Kohls ausbalanciert. Exzellent als Beilage zu Tofu oder als Füllung für asiatisch inspirierte Bao-Buns.
Foodpairing #7: Spinat und Kichererbsen
Eine uralte Erfolgskombination. Verwende die beiden klassischen Zutaten in einer traditionellen italienischen Pasta oder in einem lauwarmen nordafrikanischen Salat mit Kreuzkümmel als weiteren Geschmacksverstärker.
Tipp: Bereite aus Kichererbsenmehl eine Farinata (italienischer Pfannkuchen) zu. Fülle sie mit Ricotta und Spinat und garniere sie mit gerösteten Kichererbsen. Glutenfrei und lecker!
Volle Proteinpower in Pflanzen!
Welche Pflanzen enthalten wertvolle Proteine? Und wie kombiniert man sie am besten? Das findest du in unserer Übersicht für deine pflanzenbasierte Küche.